Ankunft in Alaska – Regen, Grizzly-Warnung und ein warmer Schlafplatz
Als ich über die Wolkendecke flog und die Temperaturanzeige sah, bemerkte ich schon, dass ich einen harten Start haben würde. Als wir landeten, waren es draußen gerade einmal 2 °C und es regnete. Es war gerade so die Grenze, dass es noch nicht schneite. Solch ein Wetter ist extrem anspruchsvoll und hart zum Fahrradfahren.
Da ich jedoch nicht vorhatte, heute schon loszufahren, sondern zunächst mein Fahrrad zusammenbauen und erst am nächsten Tag starten wollte, konnte ich noch hoffen, dass das Wetter morgen besser sein würde.
Als ich mein Fahrrad und mein gesamtes Gepäck unbeschadet erhalten hatte, baute ich zunächst alles direkt im Flughafen zusammen. Der Flughafen war wirklich extrem klein. Nachdem mein Fahrrad wieder vollständig aufgebaut war, musste ich noch Essen besorgen.
Im Vorhinein hatte ich bereits recherchiert und herausgefunden, dass es einen General Store gibt. Also fuhr ich mit meinem Fahrrad dorthin, während es draußen kalt war und regnete. Kurz bevor ich den Laden erreichte, wurde ich plötzlich von ein paar riesigen Pick-ups lautstark gewarnt, dass hier gerade ein Grizzly Bear herumlaufen würde, der sehr aggressiv sei.
Da dachte ich mir direkt: Jetzt bin ich wirklich in Alaska angekommen.
Im General Store wurde ich allerdings erst einmal überrascht. Dort gab es hauptsächlich Nüsse und Snacks, aber kaum etwas von dem, was ich für die nächsten Tage benötigte. Das gab mir direkt zu denken, da ich fest davon ausgegangen war, dass es hier auch Nudeln geben würde. Nudeln sind auf solchen Etappen für mich nun einmal Gold wert.
Also hieß es, nach Rat zu fragen, was ich nun machen könnte. Die nette Kassiererin sagte mir, dass ich gegenüber im Camp nachfragen sollte. Da es hier keine Hotels gibt, befinden sich vor allem für die Arbeiter der großen Ölpipeline verschiedene Camps. Dort sollte ich versuchen, jemanden aus der Küche zu fragen, ob ich vielleicht etwas anderes an Essen bekommen könnte. Normalerweise wird das Essen dort natürlich nicht einfach roh, beispielsweise als Nudeln, verkauft.
Da ich jedoch mein Bestes gab, konnte ich die Köchin, die ebenfalls äußerst nett war, davon überzeugen, mir rohe Nudeln zu geben. Ich hatte sogar Glück, dass an diesem Tag am Buffet ebenfalls Nudeln angeboten wurden. So gab es reichlich davon.
Am Ende bekam ich zweieinhalb Kilogramm Nudeln sowie eine große Tüte, die ich am Buffet mit weiterem Essen füllen konnte. Für jeweils 20 Dollar, also insgesamt 40 Dollar, bekam ich damit die Nudeln und eine große Tüte mit zusätzlichem Essen.
Zurück im General Store kaufte ich mir außerdem noch Bear Spray, Nüsse und einen Hoodie als Andenken. Hier oben werde ich vermutlich nicht so schnell noch einmal hinkommen.
Nun hatte ich also erst einmal reichlich Essen. Bis Fairbanks liegen die nächsten rund 830 Kilometer vor mir, auf denen ich voraussichtlich nur ein- oder zweimal an kleineren Camps vorbeikommen werde. Auch dort kann ich nicht unbedingt damit rechnen, ausreichend Lebensmittel einkaufen zu können. Deshalb war es wichtig, mich bereits jetzt entsprechend zu versorgen.
Als ich wieder am Flughafen angekommen war, hatte ich schließlich rund 260 Dollar ausgegeben, um für die nächsten Tage ausreichend ausgerüstet und versorgt zu sein.
Nun stand allerdings noch die Frage im Raum, wo ich die Nacht verbringen würde. Eine Unterkunft hatte ich noch immer nicht, da die wenigen Unterkünfte hier zwischen 250 und 350 Euro pro Nacht kosten. Das war für mich natürlich keine wirkliche Option.
Zum Glück half mir ein netter Flughafenmitarbeiter dabei, eine Möglichkeit zu finden, wo ich trocken und vielleicht sogar warm übernachten konnte. Schließlich gab er mir – als große Ausnahme – die Möglichkeit, die Nacht in einem kleinen, beheizten Hangar zu verbringen. Dort standen lediglich zwei Arbeitsfahrzeuge.
Ich war unglaublich dankbar und baute dort meine Matratze, mein Kopfkissen und meine Schutzplane auf. In diesem Moment merkte ich, wie langsam der Stress und der Druck des Tages von mir abfielen.
Steven, der nette Flughafenmitarbeiter, gab mir anschließend sogar noch etwas Benzin für meinen Benzinkocher. Damit war für die Nacht alles geregelt und ich konnte beruhigt schlafen gehen.









